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Eine Liebeserklärung

Hanseanum 2005 – 2008

Eine Liebeserklärung 

  Eheleute Dr. Koll

Wir waren nicht wirklich begeistert, mein Bruder, der in Tokio lebt und ich, die mittlerweile in Kiel lebt, als wir 2004 für unsere Eltern eine Seniorenresidenz suchen mussten und dahingehend beraten wurden, dass die beste Adresse in Krefeld das Hanseanum wäre. Die beste Adresse direkt am Hauptbahnhof? Wir saßen auf den ausladenden Polstern im großen, lichten Raum um die Rezeption des Hanseanums und versuchten, es uns schön reden zu lassen. Direkt am Bahnhof, mitten im Multi-Kulti-Krefeld – war das wirklich ein gutes Umfeld für verwöhnte Eltern, die ihren Garten liebten, die die Freiheit des Lebens im Forstwald genossen? Es war eine Entscheidung, die gefällt werden musste, da das große Haus und die Lage weit weg von Einkaufszentren zunehmend eine Last für die Eltern wurde. Eine Last für uns war zunächst die Annäherung an die Vorstellung, dass die Eltern bald in einem Seniorenzentrum leben würden und wir es aussuchen sollten, da unsere Mutter sich mit 82 Jahren einer Hüftoperation unterzog. Also gut – bewaffnet mit Cappuccino und Cafe Latte marschierten wir, geführt von einer lebensfrohen, energischen Dame (Frau Hesse) zur Wohnungsbesichtigung los. Und dann kam die nicht erwartete Überraschung: wenn man die Nase durch die sich selbst öffnenden Türen zum Dachpark schiebt, dann bekommt das Hanseanum eine ganz andere, eine lockende Dimension. Ein Park mitten zwischen den Dächern von Krefeld - eine Oase der Ruhe, Natur mit Goldfischen. Endlich ein Lächeln auf unseren Lippen…

 


 

Wir hatten das Glück, eine große, schöne Wohnung mit Garten zu finden, die den anspruchsvollen Eltern genügte. Und meine Mutter war voller Tatendrang. Sie erfüllte sich den Wunsch eines Strandkorbes, sie war bereit, sich auf ein ganz neues Leben einzulassen. Begeistert vom Team des Hanseanums, von einer liebenswerten Hausdame (Frau Verholen), von den Pflegerinnen für meinen Vater, nahm sie voller Energie auch die zahlreichen Veranstaltungsangebote war. Sie genoss es, sich mitten in der Stadt direkt in den Einkaufstrubel stürzen zu können, ohne lange über die Anfahrt, einen Parkplatz oder Parkgebühren nachdenken zu müssen. Sie fühlte sich ganz schnell zu Hause im Hanseanum – für beide Eltern erwies sich das Hanseanum als ein spätes Glück. Mein Vater, eher zurückgezogen, aber dennoch ganz den Charmeur alter Schule ausspielend bei den zahlreichen Damen. Meine Mutter fand innerhalb kürzester Zeit durch ihre Offenheit Freundinnen und zelebrierte im Sommer auf ihrer Veranda Sprechstunden, die sie als Ärztin einer Generation von Frauen, die den Beruf zugunsten der Kinder aufgegeben hatten, nur selten hatte halten können. Mein Vater, der lange Jahre als Chef eines großen Krefelder Krankenhauses gewirkt hatte, lächelte milde dazu und vertiefte sich in seine philosophischen oder naturwissenschaftlichen Lektüren. Wann immer wir sie besuchten, freuten wir uns mit ihnen.

Auch die Phasen von Krankheit und Leiden bewiesen, dass die Entscheidung für das Hanseanum eine gute gewesen war. Die Eltern (und später der Vater als Witwer) waren in den allerbesten Händen. Für uns Kinder, die wir weit weg von Krefeld wohnten und lebten, eine große Beruhigung. Und wenn es aufgrund der Entfernungen nicht so unwahrscheinlich wäre, wäre es durchaus vorstellbar: in etwa zwanzig bis dreißig Jahren aus Tokio, Pforzheim und Kiel kommend, die nächste Generation der Kolls in einem Haus mit Park, im Hanseanum.

(nachgezeichnet von Prof. Dr. Amei Koll-Stobbe)